Dancing Backward in High Heels
Click here to join our rewards scheme and earn points on this purchase!
PRODUKTBESCHREIBUNGEN
PRODUKTBESCHREIBUNGEN
Dancing Backward in High Heels
MOTOR.DE
In der Frage "Zweiter Frühling oder Winterschlussverkauf" zeigen sich die New York Dolls überraschend frisch und machen einmal mehr, was sie wollen. Mit „Dancing Backwards In High Heels“ legen die New York Dolls nun ihr fünftes Album vor. Oder ihr drittes. Das hängt wohl davon ab, ob man der Ansicht ist, die zwei überlebenden Orginalband-Mitglieder, David Johanson und Sylvain Sylvain, seien schon lange keine echten New York Dolls mehr. Auf eigentümliche Art und Weise ist „Dancing Backwards“ jedoch wieder viel eher eine richtige New York Dolls-Platte geworden, als noch ihre beiden Vorgänger. Offensichtlich ist man im Hause Dolls zu dem Schluss gekommen, dass es nun nicht mehr unbedingt nötig ist zu beweisen, dass man heute noch ebenso straight hinter dem Punkrock steht, wie anno dazumal, als man noch Vorreiter des selbigen war. Beim Albumtitel "Dancing Backwards In High Heels" liegt die Vorstellung einer wohl etwas angetrunkenen und in die Jahre gekommenen Diva recht nahe. Obendrein der Gedanke, dass das doch eine recht knifflige Angelegenheit sein muss, dieses Rückwärtstanzen in High Heels. Dies bewerkstelligen die Herren dann aber doch mit beinahe schon routinehafter Grazie. Verstärkung haben sie sich hierbei von Ex-Blondie Frank Infante und dem Kopf von Louis XIV sowie Produzenten der Killers Jason Hill geholt, der auf Tour zudem als Bassist eingesprungen ist und das Album auch produziert hat. Vor dem Rockvorhang werden musikalisch vornehmlich die 60er Jahre weder humorlos noch ungewandt gefeiert. Zwischen Blues, Soul, Funk und tatsächlich einigen Quentchen Reggae tänzeln die zwölf Tracks mit nicht wenig Selbstironie umher und verbreiten dabei definitiv eher mehr als weniger Spass. Dass das beizeiten in nicht eben pathos-, oder schmalzfreier Manier geschieht, liegt auf der Hand und in der Natur der Sache. Allerdings besteht kein Grund zum Verzweifeln: Die Punkrocknummer „I´m So Fabulous“ - augenscheinlich gegen die zunehmende Ver-Yuppiesierung New Yorks und speziell Manhattans – ist wohl nur das offensichtlichste Beispiel dafür, dass man das trotzige Äußern des Unmutes nicht verlernt hat; selbst wenn es hier schon fast etwas resignativ tönt. David Johansens etwas kehlig klingende Stimme scharrt mit sichtlich viel Vergnügen durch die Songsammlung, trifft gelegentlich nicht wirklich genau ins Schwarze und ist beileibe nicht das einzig schräge Element geblieben: Man hat gleichwohl am dreckigen Sound und den etwas schnodderig gespielten Gitarren festgehalten. Besonderes genehmes Prunkstück ist die Coverversion des schon öfters re-interpretierten Hits „I Sold My Heart To The Junkman“ von 1962. Mit Procol Harumschen Orgeln in „Kids Like You“, der fast schon an die Byrds erinnernden Ballade „You Don´t Have To Cry“ und der Integration des Johansen Solo-Tracks „Funky But Chic“, scheint es beinahe als wollten die Herren ihre eigenen musikalischen Wurzeln noch einmal genau in Augenschein nehmen und für sich nachfühlen. „Dancing Backwards In High Heels“ ist ein äußerst gelungenes Album, das mit Sicherheit nach dem ersten Durchlauf noch weiter gewinnt. Und mit der Renitenz gegenüber der an sie gestellten Erwartungen ist der Punkrock-Wegzoll wohl mehr als beglichen. Ganz davon abgesehen: Sicher, besonders innovativ ist das alles nicht; aber man verübelt es ja auch keinem gesetzten Wegweiser, dass er sich nicht entwurzelt und weiter die anweisende Richtung entlangschleppt.